Herzrisiken bei Rheuma: Besser Blutdruck selbst statt ärztlich messen!

Herzrisiken bei Rheuma: Besser Blutdruck selbst statt ärztlich messen! | (c) Pixabay

DGP – Blutdruckmessungen beim Arzt können deutlich höher liegen als im sonstigen Alltag – dies ist als Weißkitteleffekt bekannt. Forscher fanden nun, dass die Vermeidung dieses Effekts eine bessere Einschätzung des individuellen kardiovaskulären Risikos ermöglicht. Automatisierte Blutdruckmessungen, bei denen Patienten in Ruhe allein in einem Raum sind, könnten somit eine wichtige Verbesserung der Blutdruckkontrolle bei Risikogruppen wie Patienten mit rheumatoider Arthritis sein.

Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis ist Bluthochdruck ein häufiges Problem, dessen sich viele Betroffene nicht bewusst sind. Entsprechend schlecht ist der Blutdruck auch meist kontrolliert. Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung des Blutdrucks ist die regelmäßige Blutdruckmessung. Dabei ist besonders die korrekte Messung wesentlich.

Blutdruckmessungen beim Arzt können deutlich höher liegen als im sonstigen Alltag – dies ist als Weißkitteleffekt bekannt. Blutdruckmessungen ohne Beisein eines Arztes könnten diesen Effekt reduzieren und somit eine bessere Einschätzung des Blutdrucks und des kardiovaskulären Risikos ermöglichen. Ob solche Messunterschiede bei Patienten mit RA eine Rolle spielen und mit unbegleiteten Blutdruckmessungen mögliche Herz-Kreislauf-Probleme erkannt werden, untersuchten Forscher nun.

Weißkitteleffekt: Blutdruck höher, wenn der Arzt misst

Der Blutdruck von Patienten mit rheumatoider Arthritis wurde sowohl traditionell durch den Arzt/die Ärztin sowie unbegleitet gemessen. Dazu wurden 3 automatisierte Messungen in der Praxis in jeweiligen Abstand von 1 Minute durchgeführt. Die Patienten waren dazu für eine 5-minütige Pause sowie für die Dauer der Messungen allein in einem Raum. Die traditionellen und unbegleiteten Messungen wurden in randomisierter Reihenfolge (Überkreuz-Verfahren) am selben Morgen duchgeführt. Bluthochdruck wurde gemäß der Kriterien der European Society of Cardiology/European Society of Hypertension (ESC/ESH, ≥ 140/90 mmHg) bzw. gemäß der Kriterien des American College of Cardiology/American Heart Association (ACC/AHA, ≥ 130/80 mmHg) festgestellt. Die Herz-Gesundheit aller Teilnehmer wurde anschließend klinisch untersucht (EKG und Echokardiographie).

Ärztliche versus unbegleitete Blutdruckmessung im Vergleich bei Rheuma-Patienten

62 Patienten im durchschnittlichen Alter von 67 Jahren (+/- 9), davon 87 % Frauen, wurden in die Studie aufgenommen. Bluthochdruck wurde in der traditionellen Messung gemäß der ACC/AHA-Kriterien bei 79 % der Patienten, nach den ESC/ESH-Kriterien bei 66 % der Patienten diagnostiziert.

Herzrisiken bei Rheuma: Besser Blutdruck selbst statt ärztlich messen! | (c) Pixabay
Herzrisiken bei Rheuma: Besser Blutdruck selbst statt ärztlich messen! | (c) Pixabay

Unbegleitete Blutdruckwerte (121,7/68,6 mmHg) waren im Durchschnitt sowohl für Systole als auch Diastole niedriger als traditionell gemessene Blutdruckwerte (130,5/72,8 mmHg, beide p < 0,0001). Die Übereinstimmung zwischen den beiden Messungen (Korrelationskoeffizienten) war niedriger für den systolischen Blutdruck (0,55; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,38 – 0,68) als für den diastolischen Blutdruck (0,73; 95 % KI: 0,60 – 0,82). Der unbegleitete systolische Blutdruck zeigte eine signifikante Assoziation mit der Linksventrikulären Masse, die als Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse bei Bluthochdruck-Patienten gilt:

  • Traditionelle Messung: r = 0,11; p = 0,40
  • Unbegleitete Messung: r = 0,27; p = 0,036 (Differenz: z = 3,92; p = 0,0001)

Unbegleitet gemessener Blutdruck niedriger und besserer Hinweis auf Linksventrikuläre Masse

Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis ist demnach, wie auch im schon bekannten Weißkitteleffekt, der unbegleitet gemessene Blutdruck niedriger als traditionell durch den Arzt/die Ärztin gemessene Blutdruckwerte. Der unbegleitet ermittelte Blutdruck spiegelt dabei die Linksventrikuläre Masse besser wider und erlaubt somit eine bessere Einschätzung des individuellen kardiovaskulären Risikos. Automatisierte Blutdruckmessungen, bei denen Patienten in Ruhe allein in einem Raum sind, könnten somit eine wichtige Verbesserung der Blutdruckkontrolle bei Risikogruppen wie RA-Patienten sein.

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